KONZEPTION

Auf der Mitgliederversammlung vom 1. Juli 2011 wurde die erste Konzeption aus dem Jahr 2006 aktualisiert. In der vom Vorstand vorgestellten neuen Konzeption wurde die Bedeutung und die besonderen Anforderungen der Betreuung von Kleinkinder Rechnung getragen. Die Mitgliederversammlung hat den Vorschlag mit großer Mehrheit angenommen.

Die Konzeption wird regelmäßig überprüft und angepasst.


1. GRUNDSÄTZE

Der Tagesmütter- und Elternverein im Landkreis Biberach e.V. wurde im Juli 2001 gegründet und betreibt seit April 2002 eine Beratungsstelle im Zentrum von Biberach mit sozialpädagogischen Fachkräften und einer Verwaltungskraft. Die Geschäfte werden von einem von der Mitgliederversammlung gewählten Vorstand geführt. Die gesetzliche Grundlage unserer Arbeit bilden § 22, 23 und 24 SGB VIII in Verbindung mit § 3.3 SGB VIII:

 „Tageseinrichtungen für Kinder und Kindertagespflege sollen

  1. die Entwicklung des Kindes zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit fördern,
  2. die Erziehung und Bildung in der Familie unterstützen und ergänzen,
  3. den Eltern dabei helfen, Erwerbstätigkeit und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren zu können.“ (§ 22, Absatz 2 SGB VIII)

 „Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungstand, den sprachlichen und sonstigen Fähigkeiten, an der Lebenssituation sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren und seine ethnische Herkunft berücksichtigen.“ (§ 23, Absatz 3 SGB VIII)

Wir verstehen unsere Arbeit als wirkungsvolles Handeln für eine familienfreundliche Gesellschaft. Eltern erhalten ein angemessenes und qualifiziertes Betreuungsangebot, um sowohl Beruf, Studium oder Ausbildung als auch Familienleben in Einklang bringen zu können. Wir bauen zum Wohl der von uns betreuten Kinder ein fachlich fundiertes Hilfsangebot auf und entwickeln dies qualifiziert weiter. Unsere Qualifizierung der Tagespflegepersonen nach den Richtlinien des Landes Baden-Württemberg ist mit dem bundesweiten Gütesiegel zertifiziert und wird kontinuierlich weiterentwickelt und geprüft.


2. VORSTANDSARBEIT, ORGANISATION UND WIRTSCHAFTLICHE GRUNDSÄTZE

Wir verstehen unser ehrenamtliches Engagement als wichtigen Beitrag gesellschaftlicher Entwicklung. Die Vereinsstruktur gibt uns die Möglichkeit, sozialpolitisch gestaltend mitzuwirken und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben für unsere Vereinsidee zu arbeiten. Unsere Mitglieder arbeiten aktiv an unseren Zielen und Vorgaben mit.

Die Vorstandsarbeit bildet die wesentliche Grundlage für den Erhalt und die Weiterentwicklung unserer Angebote. Die Zusammenarbeit der Vorstandsmitglieder erfolgt in gegenseitigem Einvernehmen und im Respekt vor der Meinung der/s anderen. Nur auf diese Weise kann es uns gelingen, nach innen und außen überzeugend zu wirken und für die Ziele des Vereins einzutreten. Unsere Vorgehensweise ist transparent und nachvollziehbar. Mit den Kooperationspartnern und Kostenträgern pflegen wir eine konstruktive Zusammenarbeit, um damit die Anliegen für unsere Zielgruppen im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.

Die strukturellen Vorgaben für die Arbeit der Beratungsstelle werden in Absprache mit den MitarbeiterInnen einvernehmlich festgelegt. Durch die Anbindungen an den Landesverband der Tagesmüttervereine Baden-Württemberg e.V. ist eine Fachsupervision und regelmäßige Fortbildung unseres sozialpädagogischen Personals gewährleistet. Wir erhalten für unsere Leistungen Zuschüsse der Kostenträger, private Zuwendungen und Mittel unserer Vereinsmitglieder. Wir gehen mit diesen Mitteln verantwortungsvoll, wirtschaftlich und sparsam um. Wir planen unsere Ausgaben und Einnahmen sorgfältig und stellen einen Haushaltsplan auf, der regelmäßig überprüft wird. Darüber hinaus versuchen wir, zusätzlich Spendenmittel und Zuschüsse einzuwerben, um unsere Arbeitsbedingungen weiter zu verbessern.


3. ZIELE UND ARBEITSWEISE

Für Kinder ab drei Jahren versteht sich unser Angebot als Ergänzung zu bestehenden Einrichtungen.

Eltern, die ihre Kinder in den ersten drei Lebensjahren individuell im familiären Rahmen betreut haben möchten, erhalten durch unser Angebot eine Alternative zur Krippenbetreuung. Unser besonderes Augenmerk gilt der Qualitätssicherung der Betreuung von Kindern unter drei Jahren.

In dieser sensiblen Entwicklungsphase empfehlen wir Eltern und Tagespflegepersonen folgende Standards, angelehnt an die Empfehlungen der „Deutschen Liga für das Kind“, einzuhalten:

  • eine gültige Pflegeerlaubnis
  • eine individuelle Betreuung, altersgerechte Förderung und gewaltfreie Erziehung auf der Grundlage des Jugendhilfegesetzes
  • ein sicheres und gesundheitsförderndes Umfeld (keine Raucherhaushalte, d.h. in den Räumen der Kindertagespflege darf nicht geraucht werden)
  • die Mitgliedschaft und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Verein
  • psychische Stabilität und die Bereitschaft zu Selbstreflexion und Weiterentwicklung des Erziehungsverhaltens
  • die Teilnahme an den in der Verwaltungsvorschrift des Landes Baden-Württemberg vorgeschriebenen Kursen mit insgesamt 160 Unterrichtseinheiten,  wenn keine pädagogische Ausbildung nachgewiesen wird, und einem Kurs zur 1. Hilfe am Kind
  • Teilnahme an Kurs II für pädagogische Fachkräfte, auch wenn die Verwaltungsvorschrift dies nicht vorschreibt,
  • Teilnahme an 15 Unterrichtseinheiten Fortbildung pro Jahr nach Ende der Grundausbildung

Die Tagespflegepersonen erhalten einen Ausweis des Vereins, der den Stand ihrer Fortbildung dokumentiert und für die Eltern als Nachweis ihrer Mitgliedschaft dient. Die Tagespflegepersonen des Vereins werden bei der Beantragung der Pflegeerlaubnis des Jugendamtes von den sozialpädagogischen Fachkräften unterstützt und beraten. Die Überprüfung und Eignungseinschätzung wird gemeinsam von unseren MitarbeiterInnen und den Fachkräften des Jugendamtes übernommen.


4. ZIELGRUPPEN UND LEISTUNGEN

Tagespflegepersonen:
Frauen und Männer, die neben der Arbeit in der eigenen Familie Kinder anderer Eltern betreuen wollen, werden über die Aufgaben, die Rechte und Pflichten der Tagespflege in Vorbereitungskursen informiert. Bei entsprechender Eignung und Interesse bekommen sie über den Tagesmütter- und Elternverein im Landkreis Biberach e.V. Kinder vermittelt, wenn sie Mitglied des Vereins geworden sind und sich verpflichten, an der weiteren Ausbildung teilzunehmen.

Tagespflegepersonen werden während der gesamten Betreuungszeit begleitet und beraten. Sie werden in den grundlegenden Fragen der Kindertagespflege kontinuierlich geschult und pädagogisch qualifiziert. Um die Entwicklung der Kinder zu fördern, bauen sie stabile Bindungen auf und fördern die Eigenmotivation zum Lernen durch lebendige Interaktion.

Eltern:
Eltern, die Kinder in Kindertagespflege betreuen lassen wollen, werden vom Tagesmütterverein im Landkreis Biberach e.V. über die Rahmenbedingungen informiert. Sie bekommen nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen ausgewählte Tagespflegepersonen vermittelt und werden bei Vereinbarungen und der Vertragsverhandlung beraten. Während des gesamten Tagespflegeverhältnisses findet eine begleitende Beratung durch eine sozialpädagogische Fachkraft des Vereins statt. Im Zentrum der Vermittlung steht die individuelle Beratung der Familien, die eine Betreuung brauchen. Pädagogisches Fachpersonal vermittelt Tageskinder nach fachlichen Standards.

Kinder:
Kinder, die von einer Tagespflegeperson des Vereins betreut werden, haben Anspruch auf eine liebevolle Betreuung und individuelle Förderung im Rahmen des Familienalltags der Tagespflegefamilie. Auf dem Hintergrund der Bedeutung frühkindlicher Lernprozesse für den späteren Lebens- und Bildungsweg haben Tagespflegepersonen eine besondere Verantwortung. Anregende Lernfelder im sprachlichen, musisch-kreativen und experimentell-naturnahen Bereich werden in den Alltag der Tagespflege integriert.

Dieses Angebot kann aber nicht die gezielte Förderung in Kindertageseinrichtungen ersetzen. Auch wenn viele Tagespflegepersonen eine Erzieherausbildung haben, stehen sie in keiner Weise in Konkurrenz zu dem Auftrag von ErzieherInnen in Kindergärten. Lernerfahrungen in der Tagespflegefamilie stärken die soziale Kompetenz und ergänzen die Lernwelt des Kindergartens.

Die Kinder werden in der Eingewöhnungszeit ihren Bedürfnissen gemäß auf die Betreuung vorbereitet. Zum Wohl der Kinder werden Eltern und Tagespflegepersonen während der gesamten Zeit der Betreuung begleitet, um Fragen und Konflikte im Vorfeld zu lösen und Abbrüche von Tagespflegeverhältnissen zu vermeiden.


5. BEZIEHUNG ZUR ÖFFENTLICHKEIT UND ÖFFENTLICHEN TRÄGERN

Der Tagesmütter- und Elternverein im Landkreis Biberach e.V. vermittelt Tagespflegeverhältnisse im gesamten Landkreis Biberach. Über die Informationen in Tageszeitung, Internet und Verbreitung der Flyer hinaus bietet der Verein seine Vermittlungstätigkeit über die Gemeinden, das Jugendamt, das Sozialamt und die verschiedenen Beratungsstellen im Landkreis an.

Wichtige Ansprechpartner zur Verbreitung unseres Vermittlungsangebotes sind weiter die Krippen, Kindergärten und Grundschulen des Landkreises. Tagespflegepersonen können darüber hinaus ihr Betreuungsangebot vor Ort selbstständig bekannt machen und sich dabei auf die Mitgliedschaft im Verein berufen.

Entsprechend der Vorgaben des Sozialgesetzbuches VIII hat der Tagesmütter- und Elternverein im Landkreis Biberach e.V. i m 7.11.2007 eine Vereinbarung mit dem Kreisjugendamt zum §8a getroffen. Ein Delegationsvertrag mit dem Jugendamt wurde am 29.11.2010 geschlossen.


6. AUSBLICK UND WEITERBILDUNG

  • Ausbau der dezentralen Strukturen und Intensivierung der Zusammenarbeit von Tagespflegepersonen vor Ort, besonders im Hinblick auf das Tagespflegeausbaugesetz und den Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren.
  • Vernetzung und engere Kooperation mit den anderen Trägern der öffentlichen und freien Jugendhilfe zur Umsetzung eines bedarfsgerechten, flexiblen Kinderbetreuungsangebotes im Landkreis.
  • Qualitativer und quantitativer Ausbau unseres Fortbildungsangebotes für Tagespflegepersonen bei gleichzeitiger Weiterqualifizierung unseres sozialpädagogischen Personals.
  • Öffentlichkeitsarbeit und Gremienarbeit, besonders bei politischen Entscheidungsträgern, um die Bedeutung eines Betreuungsangebotes für die Familienpolitik im Landkreis zu verankern.
  • Die Konzeption wird regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und den gesellschaftlichen Anforderungen angepasst.


Verabschiedet am 18.05.2006
Aktualisiert am 01.07.2011_ 10.06.2013_ 13.10.2014

Hier die Konzeption zum Download